Stutenkerl, Weckmann & Laternenumzug
Die schönsten Bräuche rund um Sankt Martin – und ein einfaches Rezept für den Stutenkerl mit Pfeife.
Der Stutenkerl
Der Stutenkerl ist ein Männchen aus süßem Hefeteig („Stuten“ ist das westfälische Wort für Weißbrot) mit Rosinen als Augen und Knöpfen. In Westfalen und Lippe gehört er für viele Kinder einfach zu Sankt Martin dazu – meistens mit einer kleinen weißen Tonpfeife im Arm oder im Mund.
Je nach Gegend heißt das gleiche Gebäck ganz anders:
Stutenkerl
Westfalen, Lippe, Teile NiedersachsensWeckmann
Rheinland, RuhrgebietKlausenmann
Hessen, Pfalz und andere Gegenden – oft zu NikolausGrittibänz
Schweiz, meist zum NikolaustagWarum hat der Stutenkerl eine Pfeife?
Ganz sicher weiß das niemand. Die bekannteste Erklärung: Früher hielt die Teigfigur einen Bischofsstab in der Hand – als Zeichen für den Bischof Martin oder den Bischof Nikolaus. Nach der Reformation passte ein Bischofsstab in evangelischen Gegenden nicht mehr so gut, und aus dem Stab wurde eine Tonpfeife. Dreht man die Pfeife um, erkennt man tatsächlich noch die Form eines Bischofsstabs mit seinem gebogenen Ende.
Eine andere Deutung: Die Pfeife steht einfach für Gemütlichkeit und Feierabend in der dunklen Jahreszeit. Für Kinder ist sie vor allem ein kleines Andenken, das man nach dem Essen aufheben kann – und mit etwas Seifenwasser bläst man damit sogar Seifenblasen.
Rezept: Stutenkerl selbst backen
Zutaten für 6–8 Stutenkerle
- 500 g Weizenmehl (Type 550)
- 1 Würfel frische Hefe (42 g) oder 2 Päckchen Trockenhefe
- 250 ml lauwarme Milch
- 75 g Zucker und 1 Prise Salz
- 75 g weiche Butter
- 1 Ei
- Rosinen für Augen und Knöpfe
- 1 Eigelb und 2 EL Milch zum Bestreichen
- nach Wunsch kleine Tonpfeifen (gibt es beim Bäcker oder im Bastelladen)
So geht's
- Hefe in der lauwarmen Milch mit einem Teelöffel Zucker auflösen.
- Mit Mehl, restlichem Zucker, Salz, Butter und Ei zu einem glatten Teig kneten (etwa 5–8 Minuten).
- Zugedeckt an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis sich der Teig verdoppelt hat.
- Teig in 6–8 Stücke teilen, jeweils etwa 1 cm dick ausrollen und Männchen ausschneiden – oder aus Kugeln und Rollen Kopf, Bauch, Arme und Beine formen.
- Rosinen als Augen und Knöpfe eindrücken, mit Eigelb-Milch bestreichen und noch 15 Minuten gehen lassen.
- Bei 180 °C Ober-/Unterhitze etwa 15–20 Minuten goldbraun backen. Die Tonpfeifen erst nach dem Backen in den noch warmen Teig drücken.
Woher kommt der Laternenumzug?
Schon früh feierte man den Martinstag mit Licht: Als Martin im Jahr 397 beigesetzt wurde, sollen ihn viele Menschen mit Lichtern begleitet haben. Später zogen die Leute am Martinsabend mit Fackeln und ausgehöhlten Rüben, in die eine Kerze gestellt wurde, durch die Dörfer. Im 19. und 20. Jahrhundert setzten sich dann die bunten Papierlaternen durch, mit denen Kinder heute singend durch die Straßen ziehen – oft angeführt von einem Reiter im roten Mantel, der Sankt Martin darstellt.
Die Laternen erinnern an das Licht, das Martin mit seiner guten Tat in die Welt gebracht hat. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Mehr dazu in der Geschichte von Sankt Martin mit Bibelstellen und Psalmen.
Das Martinsfeuer
Am Ende vieler Umzüge brennt ein großes Martinsfeuer. Früher markierte der 11. November das Ende des Erntejahres: Das Vieh kam in den Stall, Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn, und vor der Fastenzeit bis Weihnachten wurde noch einmal gefeiert. Das Feuer wärmt, und oft wird dort auch die Mantelteilung nachgespielt.
Martinssingen
In manchen Gegenden ziehen Kinder am Martinsabend mit ihren Laternen von Haustür zu Haustür, singen ein Martinslied und bekommen dafür Süßigkeiten, Obst oder Gebäck. Der Brauch hat je nach Region eigene Namen und eigene Lieder. Die bekanntesten Laternenlieder mit Text findest du auf unserer Seite Sankt Martin 2026.
Die Martinsgans
Der Legende nach verrieten schnatternde Gänse Martin, als er sich versteckte, um nicht Bischof zu werden. Außerdem war der 11. November ein alter Zins- und Zahltag, an dem oft mit Gänsen bezahlt wurde. Vor der Fastenzeit gab es dann noch ein großes Festessen – meistens mit Gänsebraten, Rotkohl und Klößen.
Der Riesen-Stutenkerl in Laternennacht
Vom 8. bis 12. November stapft in unserem kostenlosen Browserspiel ein riesiger Stutenkerl mit Tonpfeife durch die Nacht – mit Pfeifenrauch-Ringen und Rosinen-Salven. Alle Spieler kämpfen gemeinsam gegen ihn, und die 10 besten bekommen ein exklusives Stutenkerl-Profilbild mit Laternenumzug-Rahmen. Ohne Download, ohne Käufe.
Jetzt mitkämpfenHäufige Fragen
Warum hat der Stutenkerl eine Pfeife?
Die bekannteste Erklärung: Aus dem Bischofsstab, den die Figur früher trug, wurde nach der Reformation eine Tonpfeife – umgedreht sieht sie noch aus wie ein Bischofsstab. Sicher belegt ist das nicht.Was ist der Unterschied zwischen Stutenkerl und Weckmann?
Keiner – es ist dasselbe Hefeteig-Männchen. In Westfalen und Lippe heißt es Stutenkerl, im Rheinland Weckmann.Gibt es den Stutenkerl zu Sankt Martin oder zu Nikolaus?
Beides, je nach Gegend und Familie. Viele Bäcker verkaufen Stutenkerle von Anfang November bis zum Nikolaustag am 6. Dezember.Darf man die Tonpfeife rauchen?
Nein, die kleinen Pfeifen sind reine Dekoration für Kinder. Man kann sie aber gut aufheben oder damit Seifenblasen pusten.Woher kommt der Laternenumzug?
Aus den Fackel- und Rübenlichtern, mit denen man früher am Martinsabend zum Martinsfeuer zog. Papierlaternen kamen im 19. und 20. Jahrhundert dazu.Wann sind die Martinsumzüge?
Rund um den 11. November, oft schon am Wochenende davor. Die genauen Termine stehen meist auf den Seiten deiner Stadt, der Kitas, Schulen und Kirchengemeinden.Mehr zum Martinstag: Datum, Laternenlieder & Bastelideen · Geschichte, Bibelstellen & Psalmen