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Die Geschichte von Sankt Martin

Legenden zum Vorlesen, der biblische Hintergrund und Psalmen über das Licht.

Der geteilte Mantel

Sankt Martin teilt seinen Mantel mit einem frierenden Bettler

Es war ein bitterkalter Winter, so kalt, dass selbst die Vögel nicht mehr sangen. Der junge Soldat Martin ritt am Abend auf seinem Pferd zum Stadttor von Amiens. Er trug einen weiten, warmen Soldatenmantel.

Am Tor saß ein alter Mann im Schnee. Er hatte kaum etwas an und zitterte am ganzen Körper. Viele Leute gingen an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen. Martin aber hielt sein Pferd an. Geld hatte er keines dabei, und Essen auch nicht. Nur seinen Mantel.

Da zog Martin sein Schwert, teilte den Mantel in der Mitte und legte dem Bettler eine Hälfte um die Schultern. Die andere Hälfte behielt er selbst. Manche Leute lachten über den Soldaten mit dem halben Mantel. Doch der Bettler musste in dieser Nacht nicht erfrieren.

Der Traum

In der Nacht darauf hatte Martin einen Traum. Er sah Jesus, und Jesus trug die Hälfte des Mantels, die Martin dem Bettler gegeben hatte. Jesus sagte zu den Engeln um ihn herum: „Martin hat mich mit diesem Mantel bekleidet.“ Da verstand Martin, dass er in dem armen Mann Jesus selbst geholfen hatte, so wie es im Matthäus-Evangelium steht. Kurz darauf ließ er sich taufen.

Martin will kein Soldat mehr sein

Martin blieb noch eine Weile im Heer. Als der Kaiser vor einer Schlacht Geld an die Soldaten verteilte, trat Martin vor und bat, gehen zu dürfen: Er wolle nicht mehr kämpfen, sondern Gott dienen. Der Kaiser hielt ihn für einen Feigling. Da bot Martin an, am nächsten Tag ohne Waffen vor dem Heer herzugehen. Dazu kam es nicht mehr, denn die Gegner baten um Frieden. Bald darauf durfte Martin das Heer verlassen.

Die schnatternden Gänse

Schnatternde Gänse verraten Martin im Gänsestall

Martin lebte nun als Mönch, betete viel und half, wo er konnte. Die Menschen in der Stadt Tours liebten ihn so sehr, dass sie ihn zu ihrem Bischof machen wollten. Martin aber fand, er sei dafür nicht gut genug. Er versteckte sich in einem Gänsestall.

Doch die Gänse waren aufgeregt über den fremden Gast und schnatterten so laut, dass die Leute ihn sofort fanden. So wurde Martin im Jahr 371 doch Bischof von Tours. Und darum gibt es bis heute am Martinstag in vielen Familien eine Martinsgans.

Bischof der Armen

Auch als Bischof wohnte Martin nicht in einem Palast, sondern in einer einfachen Hütte vor der Stadt, wo später das Kloster Marmoutier entstand. Er besuchte Kranke, half Armen und Gefangenen und zog weit über Land, um den Menschen vom Glauben zu erzählen. Martin starb am 8. November 397 in Candes. Am 11. November wurde er in Tours beigesetzt, und viele Menschen begleiteten ihn mit Lichtern. Daran erinnern heute die Laternenumzüge.

Das meiste, was wir über Martin wissen, stammt aus der Lebensbeschreibung seines Zeitgenossen Sulpicius Severus. Einige Geschichten sind Legenden, also fromme Erzählungen, die über Jahrhunderte weitergegeben wurden.

Der biblische Hintergrund

Die Mantelteilung ist eine Geschichte über Nächstenliebe. Sie hängt eng mit einer Rede Jesu im Matthäus-Evangelium zusammen, in der Jesus sagt, dass man ihm selbst begegnet, wenn man Armen, Fremden und Kranken hilft.

Matthäus 25,35–36.40

„Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet. […] Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“

Lukas 3,11

„Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat; und wer Speise hat, tue auch also.“

Matthäus 5,14–16

„Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind. Also lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“

Diese Stelle erklärt, warum Lichter und Laternen zum Martinstag gehören: Wer Gutes tut wie Martin, bringt Licht in die Welt.

Johannes 8,12

„Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

Psalmen über das Licht

Diese Psalmen passen gut zu einer Martinsandacht, zum Laternenumzug oder einfach zum Vorlesen am Abend.

Psalm 23

„Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele; er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“

Psalm 27,1

„Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der HERR ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?“

Psalm 119,105

„Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“

Psalm 18,29

„Denn du erleuchtest meine Leuchte; der HERR, mein Gott, macht meine Finsternis licht.“

Psalm 41,2

„Wohl dem, der sich des Dürftigen annimmt! Den wird der HERR erretten zur bösen Zeit.“

Bibeltexte nach der Lutherbibel von 1912 (gemeinfrei), in heutiger Rechtschreibung.

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Häufige Fragen

Wer war Sankt Martin?Martin von Tours lebte im 4. Jahrhundert. Er war zuerst römischer Soldat, wurde dann Christ, Mönch und schließlich Bischof von Tours in Frankreich. Bekannt ist er vor allem dafür, dass er seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte.
Welche Bibelstelle passt zu Sankt Martin?Vor allem Matthäus 25,35–40 („Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich bekleidet“) und Lukas 3,11 („Wer zwei Röcke hat, der gebe dem, der keinen hat“).
Warum teilte Martin nur den halben Mantel?Eine verbreitete Erklärung: Römische Soldaten bezahlten einen Teil ihrer Ausrüstung selbst, die andere Hälfte gehörte dem Heer. Martin gab also alles, was ihm selbst gehörte.
Ist Sankt Martin evangelisch oder katholisch?Beides. Martin ist ein Heiliger der katholischen und orthodoxen Kirche und wird auch in evangelischen Gemeinden geehrt. In evangelischen Gegenden fällt der Martinstag zudem mit Martin Luthers Tauftag zusammen: Luther wurde am 10. November 1483 geboren und am 11. November getauft. Darum bekam er den Namen Martin.
Welcher Psalm passt zum Laternenumzug?Psalmen über das Licht, zum Beispiel Psalm 27,1, Psalm 119,105 oder Psalm 18,29. Für Kinder eignet sich auch Psalm 23 sehr gut.
Wie erkläre ich Kindern Sankt Martin?Am einfachsten über das Teilen: Martin hatte selbst nur einen Mantel und hat trotzdem die Hälfte abgegeben, damit ein anderer nicht friert. Die Laternen zeigen, dass jede gute Tat ein bisschen Licht in die Dunkelheit bringt.

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